Wenn ein Bewerbungsprozess mehr über Unternehmenskultur verrät als über die Stelle
Manchmal lernt man in einem Bewerbungs- oder Kennenlernprozess mehr über die Unternehmenskultur eines Unternehmens als über die eigentliche Position selbst.
In den vergangenen Wochen hatte ich mehrere sehr angenehme Gespräche im Rahmen einer möglichen freiberuflichen Zusammenarbeit. Die Gespräche waren wertschätzend, professionell und vermittelten eine konkrete Perspektive für die Zukunft. Umso überraschender war für mich die spätere Absage.
Dabei geht es nicht um die Entscheidung an sich. Entscheidungen gehören zum Berufsleben dazu. Unternehmen müssen Optionen prüfen, Prioritäten setzen und die für sie beste Lösung finden. Das ist nachvollziehbar und völlig legitim.
Was mich nachdenklich gemacht hat, war etwas anderes: die Frage nach Transparenz im Auswahlprozess.
Die Bedeutung klarer Kommunikation
Rückblickend gab es einige Hinweise darauf, dass intern noch verschiedene Möglichkeiten geprüft wurden. Gleichzeitig wurde dies im Prozess nicht offen kommuniziert. Dadurch entstand bei mir ein deutlich konkreterer Eindruck vom Stand der Entscheidung, als tatsächlich gegeben war.
Das ist kein Vorwurf.
Vielmehr zeigt es, wie wichtig ehrliche und transparente Kommunikation in Auswahl- und Entscheidungsprozessen ist. Denn Menschen investieren in solche Gespräche weit mehr als nur Zeit.
Sie investieren:
- Energie
- Vorbereitung
- persönliche Erwartungen
- emotionale Ressourcen
- und oft auch die gedankliche Auseinandersetzung mit einer möglichen beruflichen Zukunft
Je konkreter die Perspektive erscheint, desto stärker beginnt dieser innere Prozess.
Warum Ehrlichkeit mehr Vertrauen schafft als scheinbare Sicherheit
Aus meiner Sicht wünschen sich Bewerberinnen, Bewerber und potenzielle Geschäftspartner vor allem eines: Klarheit.
Wenn Entscheidungen noch offen sind, sollte das offen ausgesprochen werden.
Wenn noch weitere Gespräche stattfinden, sollte das kommuniziert werden.
Wenn Unsicherheiten bestehen, sollte auch das benannt werden.
Die meisten Menschen können mit einem ehrlichen „Wir wissen es aktuell noch nicht“ deutlich besser umgehen als mit einer vermeintlichen Sicherheit, die sich später relativiert.
Transparenz schafft keine Schwäche. Transparenz schafft Vertrauen.
Der eigentliche Mehrwert entstand nach der Absage
Das Interessante an diesem Fall war nicht die Absage selbst, sondern das Gespräch danach.
Nach meiner offenen Rückmeldung entstand ein sehr ehrlicher Austausch. Es wurde anerkannt, dass eine transparentere Kommunikation hilfreich gewesen wäre. Genau dadurch blieb trotz der Absage etwas Positives zurück: gegenseitiger Respekt und die Bereitschaft, auch in Zukunft miteinander im Gespräch zu bleiben.
Für mich war das ein gutes Beispiel dafür, wie professioneller Umgang auch dann gelingen kann, wenn nicht alles optimal läuft.
Fazit: Vertrauen entsteht durch Offenheit
Perfekte Prozesse wird es nie geben.
Missverständnisse, unterschiedliche Erwartungen und veränderte Rahmenbedingungen gehören zum Arbeitsalltag. Entscheidend ist nicht, ob Fehler passieren, sondern wie offen und respektvoll damit umgegangen wird.
Vertrauen entsteht nicht dadurch, dass alles reibungslos verläuft.
Vertrauen entsteht dort, wo Menschen ehrlich miteinander kommunizieren, auch wenn Entscheidungen schwierig sind oder Erwartungen nicht erfüllt werden können.
Mehr Transparenz in Bewerbungs- und Auswahlprozessen würde nicht nur die Candidate Experience verbessern. Sie würde auch dazu beitragen, langfristige Beziehungen aufzubauen – selbst dann, wenn eine Zusammenarbeit am Ende nicht zustande kommt.
Und vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Grundlagen moderner Unternehmenskultur.